Praxisgründung, obwohl die PKV bald abgeschafft wird?

Autor

Arnd Kensy

Arnd Kensy ist seit 2012 freiberuflicher Berater und Autor. Sein Buch zu Praxiskauf und Praxisgründung erscheint 2021 in der überarbeiteten 3. Neuauflage mit Machbarkeitsworkshop, der den Lesern die Erstellung professioneller Unterlagen für die Kreditbeantragung ermöglicht.

Neulich rief mich mein Mandant an, der gerade eine Privatpraxis in NRW gründet. Er würde immer mehr Bedenken bekommen, ob sein Vorhaben unter dem Licht der möglichen Abschaffung der PKVen unter einer linken Regierung überhaupt noch empfehlenswert sei?

Ich gratulierte ihm zu seinem Kassensitz, den er dann geschenkt bekäme. Denn, lasse man mal die ganze Hysterie und Diskussion über dieses Themas in der Presse außen vor, eines würde auf gar keinen Fall kommen: ein Berufsverbot für niedergelassene Privatärzte. Er verstand sofort.

Enteignung

Denn geht man mal ganz nüchtern vor und analysiert, was die Handlungsalternativen einer neuen Regierung wären, verliert das Thema für den Praxisgründer schnell an Relevanz. Sofort vom Tisch sind die linken Allmachtsgedanken, man könne unliebsame Wirtschaftsteilnehmer ganz einfach enteignen. In Berlin bekommen wir gerade mit, wie diese Gedanken durch geschickt inszenierte Volksbegehren salonfähig gemacht werden. Liest man die Presseartikel aber bis zum Ende, sagen sogar linke Politiker im Kleingedruckten, dass derartige Ideen weder die kommenden Koalitionsverhandlungen, noch das Verfassungsgericht überstehen werden. Es sind schlichtweg Werbeaktionen für linke Wählergruppen.

Und so wird man auch die PKVen auch nicht einfach enteignen können. Obwohl die Regierung sicher gerne Zugriff auf die zig Milliarden Rücklagen der privaten Versicherer erhalten würde. Ohne Kompensation für die derzeitigen Eigentümer dieses Geldes geht das jedoch nicht. Und diese Entschädigungszahlungen würden dem Gesundheitssystem in Zukunft fehlen. Alles nur, um 10% der Bevölkerung zu entrechten? Dafür wird es keine Mehrheiten in der bürgerlichen Mitte geben. Denn die 90% Kassenpatienten hätten von dieser Aktion persönlich rein gar nichts. Eher im Gegenteil, wenn man annimmt, dass letztlich alle Patienten die Kosten für die Enteignung „bezahlen“ müssen.

Bürgerversicherung

Die Idee einer Bürgerversicherung für alle hat aber durchaus Charme und vielleicht im Kern sogar Mehrheiten. Einige Autoren sehen dann die PKVen als zusätzlicher Teilnehmer in der gesetzlichen Versorgung. Deren Versicherte würden praktisch in das bestehende System eigegliedert.

Niemand wird aber die Idee oder das Recht haben, darüber hinaus private Zusatzversicherungen zu verbieten. Diesen Markt gibt es doch heute schon! Persönlich würde ich mich natürlich sofort in einigen Fachbereichen zusatzversichern. Zahle ich doch jetzt schon für meine PKV mehr als für den Höchstsatz der GKV. Dieser Markt wird sich meiner Ansicht nach dann schlagartig vergrößern. Natürlich wird das die Landschaft der ambulanten Versorgung durchmischen, aber in diesem Szenario müssen sich die Praxen halt darauf einstellen, nun diese Patienten gezielt zu umwerben.

Natürlich wird es Praxen bestimmter Fachbereiche geben, die dann statt 1 Mio Gewinn im Jahr nur noch 500.000€ nach Hause bringen. Diese Blüten des derzeitigen Systems wären dann zu Ende. Auch hört man oft von Praxisinhabern, die behaupten, nur mit den privaten Patienten am Ende des Monats überhaupt noch etwas Gewinn zu machen. Einige dieser Praxen hatte ich schon in der Optimierungs-Beratung und das Gesundheitssystem Deutschlands war tatsächlich deren geringstes Problem. Aber das mal außen vor, jegliche Änderung, die einen Zusammenbruch des ambulanten Gesundheitssystems Deutschlands zur Folge haben könnte, wird keinen Bestand haben. Das kann sich keine Regierung leisten, auch keine linke. Corona mag hier das beste Beispiel sein, wie massiv auf einen solchen drohenden Kollaps politisch reagiert wird.

Die Verlierer

Wenn es überhaupt Verlierer einer solchen Entwicklung gibt, wären das die bestehenden Kassensitzinhaber. Durch die schlagartige Zunahme der Kassensitze verliert deren Praxis vielleicht etwas an Wert. Die größte Bedrohung dieses Wertes ist aber nicht eine Bürgerversicherung, sondern das Bestreben, die Sitzvergabe wie bei den Zahnärzten gänzlich freizugeben. Sogar Herr Span wollte vor zwei Jahren im Zuge des Versorgungsstärkungsgesetzes die Vergabe von Kinderarztsitzen temporär freigeben. Doch über Nacht verschwand dieser Passus aus dem vorgeschlagenen Gesetzestext wieder. Ich mag das als Vater von zwei Töchtern gar nicht bewerten, aber so funktioniert unser hiesige Gesundheitsmarkt derzeit. Er reagiert sehr träge auf Reformwünsche.

Mein Fazit:

Eine Bürgerversicherung mag kommen, aber nicht in der nächsten Legislaturperiode. Dafür benötigt man Mehrheiten, die eine breit gestreute Mitte-Links-Regierung, wie sie sich heute abzeichnet, nicht produzieren können wird. Viele stellen zudem in Frage, ob man eine solche Reform politisch und juristisch überhaupt in vier Jahren bewältigen kann. Und mal sehen, wie die Mehrheiten danach sind.

Und sollte doch eine Bürgerversicherung eingeführt werden, wird sie den Markt der privaten (Zusatz-) Versicherungen nicht eliminieren. Natürlich kann es sein, dass Sie in Zukunft weniger verdienen, als die Generation ÄrztInnen vor Ihnen. Wenn Ihre Niederlassung aber darauf abzielt, Ihnen mehr unternehmerische Freiheiten und ein signifikant höheres Einkommen als im Krankenhaus einzubringen, wird sich an der Machbarkeit durch die kommende Wahl nichts ändern.

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